Geschichte der Feuerwehr Unterferrieden  
     
     
   
 
 
Das offizielle Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr ist der 30.12.1874. Jedoch liegen die Anfänge unserer Feuerwehr viel früher.

Tatsächlich bildeten die drei Nachbargemeinden Unterferrieden, Oberferrieden und Ezelsdorf bereits Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine Feuerlöschgemeinschaft.

Im Protokoll über eine gemeinsame Sitzung der Gemeindevertreter Unterferriedens, Oberferriedens und Ezelsdorfs vom 30. Oktober 1870 wurde festgehalten:


"Die Gemeinden Oberferrieden, Unterferrieden und Ezelsdorf sind seit vielen Jahren im gemeinschaftlichen Besitz einer Feuerlöschmaschine und waren daher verpflichtet, auch die Reparaturkosten gemeinschaftlich zu tragen. Die Gemeinde Ezelsdorf ist nun gesonnen, für sich eine Feuerlöschmaschine anzuschaffen, und erklärt, dass sie von jetzt an zu den Reparatur- und anderen Kosten der bisher gemeinschaftlichen Feuerlöschmaschine nicht mehr zu partizipieren brauche; gibt aber auch zugleich die Erklärung ab, dass sie keinen Anteil mehr an erwähnter Feuerlöschmaschine haben will, und auch keine Herauszahlung der Anschaffungskosten beansprucht."


Ab 1870 diente demnach diese gemeinschaftliche Feuerlöschmaschine allein den beiden Gemeinden Oberferrieden und Unterferrieden. Bis auf weiteres bestand in beiden Gemeinden also die erwähnte Feuerlöschgemeinschaft, ohne den Charakter einer Freiwilligen Feuerwehr mit fester Mannschaft oder Uniform. Im Brandfall versuchte sich darum stets die gesamte Einwohnerschaft der betroffenen Gemeinde an der gemeinschaftlichen Feuerlöschmaschine, wohl mehr schlecht als recht, denn sehr häufig finden wir in diesen Jahren in den Gemeinderatsprotokollen die Beschlüsse über Wartung und Reparatur der gemeinschaftlichen Feuerlöschgeräte.


Wen wundert's, am 30.7.1874 folgte daher, in Erkenntnis der Tatsache, dass eine Feuerlöschmaschine mit all ihrer Technik auch eine feste feuerlösch-technisch geschulte Mannschaft benötigt, ein Gemeinderatsbeschluss:


"Der hiesige Bürgermeister ist daher befugt, die nötigen Einleitungen einer Feuerwehr zu treffen. Zwei schadhafte Eichen sollen dem Verkauf unterstellt und der Erlös zur Anschaffung der nötigen Feuerwehrrequisiten verwendet werden. Den beiden Feuerwehren von Ober- und Unterferrieden dient weiterhin die gemeinschaftliche Feuerwehrspritze."

Am 30.12.1874 findet dann die Gründungsversammlung der Feuerwehr statt. Eine genaue Festlegung der Gründungsmitglieder konnte nicht aufgefunden werden. Lediglich eine Gedenktafel von 1876-1901 trägt die Namen von 18 in dieser Zeit verstorbenen Feuerwehrmännern.

In den nächsten 6 Jahren finden sich zahlreiche in gestochen säuberlicher Handschrift verfasste Gemeinderatsprotokolle, die sich mit dem Aufbau und der technischen Ausrüstung der Unterferriedener Freiwilligen Feuerwehr befassten, was finanziell wohl nicht immer leicht fiel. Nachfolgende Auszüge zeigen den Werde- und Entstehungsverlauf der Freiwilligen Feuerwehr Unterferrieden deutlich auf.


Gemeinderatsbeschluss vom 8.3.1875:


"Bei dieser Gelegenheit wurde noch der Beschluss gefasst, dass da bereits die nötigen Feuerwehrrequisiten angekommen sind, der Kassenverwalter aus der Gemeindekasse dem Kassier der Feuerwehr dahier 100 Gulden zustellen soll."



Gemeindevisitation am 15.8.1876:

Hier wurde darauf aufmerksam gemacht, "dass die Feuerwehrspritze in Oberferrieden für die beiden Gemeinden nicht genügend sei, und daher notwendiger Weise für die Gemeinde Unterferrieden wenigstens eine kleine Feuerspritze anzuschaffen sei. Von den Anwesenden wird die Dringlichkeit einer Anschaffung der Spritze anerkannt, aber zur Zeit muss noch Umgang genommen werden, da die Gemeindekasse ohnehin in Anspruch genommen ist."


Gemeinderatsbeschluss vom 22.5.1877:

"Von den heute Versammelten wurde beschlossen, an die Direktion Münchner-Aachener Feuerversicherung eine Eingabe zu machen mit den gehörigen Motiven, um eine Feuerlöschmaschine zu erhalten."


Gemeinderatsbeschluss vom 29.11.1877

"Es wurde beschlossen. für die Feuerwehr ein Feuerhäuschen aufzustellen."


Gemeinderatsbeschluss vom 4.8.1878:

"Ferner wurde auch in Einwägung, dass die Gemeinde von der Münchner-Aachener Feuerversicherungsgesellschaft eine Spritze zum Geschenk erhalten hat, beschlossen, in diesem Jahre noch ein Feuerwehrspritzenhäuschen zu bauen."


Gemeinderatsbeschluss vom 4.11.1882:

"Bei der heutigen Sitzung wurde beschlossen zur Erwägung, dass die Gemeinde Unterferrieden eine zweite Feuerspritze anschaffen will, soll auf den Mitbesitz der in Oberferrieden aufgestellten Feuerspritze verzichtet werden."

Diese beiden Feuerspritzen befinden sich heute noch im Besitz unserer Feuerwehr.

Das oben erwähnte erste Feuerwehrhäuschen stand auf dem Platz des heutigen Schulungsgebäudes.

Am 7. Juli 1901 feierte man das erstes Jubiläum, 25 Jahre Freiwillige Feuerwehr Unterferrieden.


Die erste Motorspritze, eine TS 8 aus dem Bestand der nach dem Krieg aufgelösten Luftschutzverbände, bekam die Unterferriedener Feuerwehr am 9.11.1947.


Die Tatsache, dass natürliche Wasserzuläufe oder eine Wasserleitung fehlten, ließ den Gemeinderat am 10.10.1951 den Beschluss fassen, im ,"Aal" einen Feuerlöschteich in Stahlbetonbauweise zu erstellen, der noch heute eine Wasserreserve für den Ernstfall darstellt.


Am 18.2.1952 feierte man das 75jährigen Jubiläum in aller Fröhlichkeit, lagen doch die Schrecken des zu Ende gegangenen 2. Weltkrieges und die Inflation noch nicht sehr weit zurück


Nachdem das zweite Gerätehaus, welches sich seit 1912 nahe beim Gasthaus Wild befand, zu klein geworden war, wurde am 18.8.1952 der Beschluss gefasst, am Standort des ersten Feuerhäuschens am "Bohweiher" ein neues zu errichten.


Am 5.10.1953 erfolgte dann die Grundsteinlegung und bereits am 25.7.1954 die Übergabe an die Feuerwehr. Dieses Feuerwehrhaus war für die damalige Zeit mit zwei Fahrzeugplätzen, einem Schlauchtrockenturm sowie Abstellraum äußerst großzügig konzipiert.


Am 30.Oktober 1961 beschloss der Gemeinderat den notwendig gewordenen Kauf einer neuen TS 8 mit Anhänger, die dann bereits am 18.3.1962 in Dienst genommen wurde.


Als zusätzliche Ausrüstung erfolgte am 27.3.1963 die Beschaffung der Anhängeleiter AL 12, die heute noch genutzt wird.



Ein ganz besonderer Meilenstein in der Entwicklung unserer Wehr war der 14.07.1973. Unsere Mannschaft, obwohl schon immer zahlen- als auch ausbildungsmäßig sehr stark, bestand -wie auch heute noch- hauptsächlich aus Pendler. Dies beeinträchtigt natürlich die Einsatzbereitschaft tagsüber. Deshalb griff man das Beispiel von Schwaig auf und gründete eine Damenwehr. Diese legte bereits ein Jahr später das Leistungsabzeichen in Bronze ab. Es folgten weitere Leistungsprüfungen und einige Damen tragen mittlerweile die Leistungsabzeichen in Gold Grün bzw. Gold Blau.

Besonders stolz sind wir darauf, dass wir als einzige Wehr im ganzen Landkreis während der gesamten Zeit zahlenmäßig immer eine komplette Damenlöschgruppe hatten und dass 4 unserer Feuerwehrdamen als erste Frauen des Landkreises Nürnberger Land, wie Landrat Helmut Reich bei der Ehrung 1998 ausdrücklich betonte, für 25 Jahre aktive Dienstzeit ausgezeichnet wurden. Die Notwendigkeit und die Einsatzbereitschaft der Damenwehr wurden erst letztes Jahr bei einem Feldbrand, bei dem 2 Männer und 5 Frauen ausrückten, unter Beweis gestellt.



Das 100jährige Jubiläum feierten wir mit einem großen Festprogramm vom 27. bis 29. Juni 1975. Unser erstes Feuerwehrauto LF8 mit Atemschutzausrüstung wurde hierbei der Öffentlichkeit in einer extra dafür angelegten Schauübung vorgestellt. Bis zum Jahr 2000 stand dieses Fahrzeug im Dienst der Feuerwehr.


Nach dem 100jährigen Fest wurde aufgrund des großen Interesses ausscheidender aktiver Mitglieder in der Jahreshauptversammlung 1976 der Feuerwehrförderverein gegründet. Dadurch konnten diese Kameraden auch nach ihrer aktiven Dienstzeit mit der Feuerwehr verbunden bleiben und zum anderen bestand die Möglichkeit, Gönner in den Feuerwehrverein mit aufzunehmen.

Zunehmende bauliche Sicherheitsmängel und Platzmangel veranlassten die Gemeinde dann, hinter dem alten Gerätehaus eine neue größere Doppelfahrzeughalle zu errichten. Anschließend bauten die aktiven Feuerwehrler in vorbildlicher Eigenleistung das alte Gerätehaus zum jetzigen Schulungsgebäude um. Beide Häuser wurden am 19.9.1986 offiziell eingeweiht.


Man blickte aber auch schon frühzeitig über die Grenzen unserer Heimat hinaus. So nahmen wir gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Burgthann bereits 1989 an einem Bezirksfeuerwehrfest in der späteren Partnergemeinde St. Rupprecht an der Raab teil und erwarben mit einer Gruppe das österreichische Leistungsabzeichen. Seither besuchte man sich schon des öfteren gegenseitig in Österreich oder Franken.


1999 wurde in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eine neue zeitgemäße Satzung verabschiedet, worauf dann die Eintragung ins Vereinsregister als Freiwillige Feuerwehr Unterferrieden e.V. erfolgte. Der Feuerwehrverein zählt derzeit 90 Mitglieder.


Die nun in 125 Jahren erfolgte stetige Weiterentwicklung, sowie die Anpassung an die Erfordernisse der Zeit und die erweiterten Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren wurden im Jahr 2000, durch die Übergabe eines modernen Löschfahrzeuges LF8/6 mit 600l Wassertank gekrönt. Diese Entwicklung zeigt, dass unsere Wehr für die Anforderungen der Zukunft technisch, feuerwehrtaktisch und personell bestens gerüstet ist. Das 125jährige Fest fand im Juni 2000 statt.

Am 27 Juni 2003 wurde das neue gemeinsame Gerätehaus der Feuerwehren Ober und Unterferrieden eingeweiht. Zwei benachbarte und eigenständige Feuerwehren unter einem gemeinsamen Dach unterzubringen, das ist nicht unbedingt alltäglich. Wie kam es dazu? Sowohl bei der Feuerwehr Oberferrieden als auch bei der Feuerwehr Unterferrieden stand der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses an. Die beengten Platzverhältnisse sowie die Renovierungsbedürftigkeit der bisherigen Gerätehäuser waren der Grund dafür.

Da die Ortschaften Oberferrieden und Unterferrieden inzwischen ohnehin bis auf wenige hundert Meter zusammengewachsen sind und genau zwischen den Ortschaften ein gemeindliches Grundstück vorhanden war, überlegte die Gemeinde Burgthann zusammen mit den Feuerwehren, anstatt zwei getrennter Gerätehäuser ein gemeinsames Gerätehaus zu bauen. Gerade in Zeiten leerer kommunaler Kassen wäre diese Lösung ein Schritt in die richtige Richtung. Nachdem auch die Regierung von Mittelfranken diesem Modellprojekt zustimmte, stand der Realisierung nichts mehr im Wege. Wohlgemerkt: Die beiden Feuerwehren Oberferrieden und Unterferrieden bleiben auch unter dem gemeinsamen Dach eigenständig.

Nach einem Jahr Bauzeit war das neue Gerätehaus fertig gestellt. Es verfügt über 5 Stellplätze, einer Fahrzeug-Waschhalle, die von allen Feuerwehren der Gemeinde Burgthann genutzt werden kann, einer Atemschutzwerkstatt, Lagerräume sowie den notwendigen sanitären Einrichtungen. Im Obergeschoss befindet sich ein Schulungsraum, ein Lehrmittelraum, eine Teeküche, Kleiderkammer, Bereitschaftszimmer sowie ein Kommandantenzimmer. Die Baukosten betrugen 1,1 Millionen Euro, wovon die Regierung einen Zuschuss in Höhe von 376.000 Euro in Aussicht gestellt hat. Die Gesamtnutzfläche beträgt 780 Quadratmeter.

Bürgermeister Hirsch berichtete in seiner Rede bei der Einweihungsfeier von der Entstehungsgeschichte des neuen Feuerwehrhauses. Sowohl er als auch weitere Grußredner lobten dabei die Bereitschaft der selbständigen Feuerwehren Ober- und Unterferrieden, in ein gemeinsames Gerätehaus einzuziehen. Hirsch merkte dabei an, dass auch die Feuerwehr Ezelsdorf bereit gewesen wäre, das gemeinsame Gerätehaus zu beziehen, was aber aufgrund verkehrstechnischer Gründe nicht realisiert werden konnte.